Medienpolitik: Informationsvielfalt im Lokalen sichern (medienpolitik.net)

18.12.2017

Lokaljournalismus in der digitalen Mediengesellschaft

18.12.17 von Dr. Anja Zimmer, Direktorin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb)

Wird die Buslinie eingestellt? Wer sind die Kandidaten für den Landtag? Wann wird das Breitbandnetz in meiner Region ausgebaut? Lokale Medieninformationen sind für eine demokratische Gesellschaft essentiell. Sie informieren über das Geschehen vor Ort, sorgen für Transparenz und stellen Öffentlichkeit her. Gleichzeitig bieten sie Orientierung und einen Ankerpunkt. Lokaljournalismus findet dort statt, wo Entscheidungen unmittelbar erlebt werden. Wer weiß, was vor Ort passiert, kann sich an Debatten beteiligen, für ihn werden politische Prozesse greifbarer. Voraussetzung dafür ist ein gutes lokaljournalistisches Angebot, das möglichst flächendeckend verfügbar ist.

Sicherung von Partizipation und Medienvielfalt ist gesetzlicher Auftrag der Landesmedienanstalten. Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) fördert Aus- und Fortbildungsmaßnahmen im Bereich des Lokaljournalismus und Übertragungstechniken für Lokal-TV. Sie unterstützt Hörfunk- und Fernsehsender bei Reichweitenuntersuchungen und fördert Innovationsprojekte. Die Frage ist allerdings, reicht das?
Lokale Medien sind fester Bestandteil der deutschen Medienlandschaft und unterstützen bei der Meinungsbildung. Untersuchungen wie die Funkanalyse Bayern oder die Funkanalyse Ostdeutschland belegen die Akzeptanz von Lokal-TV: Zuschauerinnen und Zuschauern haben Interesse an regionaler und lokaler Berichterstattung. So ist in Bayern für über 64 % der Befragten die lokale Tageszeitung oder ein lokales Internetangebot und für über 33 % das lokale Fernsehen wichtig (1). Eine Untersuchung der mabb in Brandenburg kommt zum Ergebnis, dass sich Menschen gerade im Hinblick auf Entscheidungen von lokaler Relevanz, die in Politik und Verwaltung getroffen werden, mehr Transparenz wünschen. Gut recherchierte journalistische Angebote also, die Themen setzen und Impulse geben. Und sie wünschen sich das ganz besonders von traditionellen Medien, die über eine hohe Glaubwürdigkeit verfügen. Dies ist Chance und Verpflichtung zugleich.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Dennoch nimmt die Medienvielfalt im Lokalen ab: Die schwierige Finanzierung hat Auswirkungen auf Inhalte und Reichweite. Die Versorgung mit lokalen Medieninhalten ist nicht mehr flächendeckend gewährleistet.
Werbefinanzierung von lokaljournalistischen Angeboten wird immer schwieriger. Dies gilt für Tageszeitungen, Internetangebote ebenso wie für Lokal-TV. Die Lokal-TV-Sender in Berlin und Brandenburg finanzieren ihr Programm in erster Linie aus Werbung, Auftragsproduktionen und Programmverkäufen. Bei sinkenden Werbeerlösen – 2012 lagen sie in Berlin und Brandenburg noch bei rund 3 Millionen Euro, 2016 waren es nur noch 2,5 Millionen Euro – reichen die Erträge kaum aus, um die Kosten zu decken. Erschwert wird die Situation dadurch, dass viele Lokal-TV-Anbieter keinen Zugang zum nationalen Werbemarkt haben. Folge sind Sparmaßnahmen, auch im Bereich des Personals: 2012 waren noch 287 feste und freie Mitarbeiter bei regionalen Sendern in Berlin und Brandenburg beschäftigt, 2016 nur noch 214 (2). Die Rahmenbedingungen für Lokal-TV-Anbieter werden sich in den kommenden Jahren vermutlich weiter verschärfen. Gesucht wird nicht weniger als ein neues Geschäftsmodell.
Ein wichtiger Schritt wäre der Zugang zum nationalen Werbemarkt. Dazu müssten Strukturen geschaffen werden, die das ermöglichen. Lokal TV müsste attraktiver werden, denn nur ein durchgängig gutes Programm schafft ein Werbeumfeld, das Werbekunden anzieht. Und die müssten davon wissen. Der regionale Hörfunk hatte vor über einem Jahrzehnt das gleiche Imageproblem. Ihm ist es gelungen, u.a. durch Gattungsmarketing, neue Werbekunden zu erschließen. Einfach ist das im Jahr 2017 sicherlich nicht mehr. Das geht nur gemeinsam, weshalb wir es sehr begrüßen, dass in Brandenburg derzeit Ideen für eine senderübergreifende Vermarktung entwickelt werden.

Immer mehr Menschen nutzen Bewegtbildinhalte über das Internet

Die Digitalisierung ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits steigt der Wettbewerb: Die steigende Zahl von Programmen und anderen Angeboten erschwert die Auffindbarkeit, das kostet Reichweite. Andererseits kann sie eine Chance für lokale TV-Veranstalter sein, die teure lineare Verbreitung durch neue Ausspielwege zu ersetzen.
Für Brandenburg belegt der Digitalisierungsbericht der Medienanstalten zwar noch eine große Bedeutung von Satellit und Kabel als Verbreitungsweg für TV-Inhalte. Gleichzeitig stellt er aber fest, dass mittlerweile mehr als jeder vierte TV-Haushalt in Brandenburg ein Smart-TV-Gerät besitzt. Insgesamt, also unter Berücksichtigung aller Optionen, haben über 45% der Brandenburgerinnen und Brandenburger ab 14 Jahren Zugang zu Connected TV (3). Gleichzeitig steigt die Konkurrenz im Bereich der Bewegtbild-Angebote. Ob in sozialen Medien, auf Internetseiten von Verlagen oder hyperlokalen Blogs, überall gewinnt Bewegtbild an Bedeutung.

Hier geht es zum vollständigen Artikel